Mit Alexander Richter-Kariger war jetzt ein Zeitzeuge der ehemaligen DDR zu Gast an der Hüberts‘schen Schule.
Er gab im Geschichtsunterricht den Abiturienten einen Einblick in das Leben in der sozialistischen Diktatur. Die Schülerinnen Sina Uhlen und Maya Linnenbäumer berichten von dem Besuch:
„Am 9. November jährte sich der Fall der Berliner Mauer zum 36. Mal.
Nur wenige Tage später, am 12. November, durfte die GO23a im Geschichtsunterricht einen besonderen Gast begrüßen: Alexander Richter-Kariger, der als Zeitzeuge von seinem Leben in der DDR berichtete. Der Besuch passte ideal zu unserem aktuellen Unterrichtsthema ,Deutsche Teilung und Wiedervereinigung – Leben in zwei deutschen Staaten‘.
Richter-Kariger erzählte von seiner Jugend in der DDR, seinem Studium der Finanzwirtschaft und seiner Tätigkeit als Hauptrevisor. Besonders eindrucksvoll war seine Entwicklung vom überzeugten Anhänger des Systems in jungen Jahren hin zu einem kritischen Oppositionellen. Durch seine schriftstellerischen Arbeiten – darunter ein umfangreiches Romanmanuskript, in dem er Kritik am Leben in der DDR übte – geriet er zunehmend ins Visier der Staatssicherheit, die seine Wohnung überwachte und seine Post kontrollierte.
1982 wurde er verhaftet und nach monatelanger Untersuchungshaft wegen ,staatsfeindlicher Hetze‘ zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Im Zuchthaus Brandenburg-Görden musste er Haftbedingungen überstehen, über die er eindringlich mit Bildern berichtete. 1985 kam er im Rahmen eines Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik. Heute lebt er mit seiner Frau in Emsdetten und ist als Autor tätig.
Besonders bewegend war seine Botschaft zum Schutz der Demokratie. Mit der direkten Frage ,Wollt ihr sowas?‘ machte er deutlich, wie gefährlich jede Form von Extremismus – egal ob von rechts oder links – für unsere Gesellschaft sein kann, und verwies auf aktuelle politische Entwicklungen. Er ermutigte die Schülerinnen und Schüler, Freiheit nicht als selbstverständlich anzusehen und Verantwortung für die Zukunft der Demokratie zu übernehmen. Der Zeitzeugenbesuch zeigte, wie lebendig und greifbar Geschichte werden kann, wenn Menschen über ihr eigenes Leben berichten.“
Der Besuch wurde vom Koordinierenden Zeitzeugenbüro der Gedenkstätte-Hohenschönhausen finanziell unterstützt.
Von Redaktion IVZ

