Die Bundestagswahl rückt näher und Schulen nutzen die Chance, die Kandidaten einzuladen. Die Politiker stellen sich Podiumsdiskussion, Speeddating oder Fragenhagel. Wir wollten von beteiligten Schülern an der Hüberts‘schen Schule wissen: Interessiert ihr euch für Politik? Welche Themen bewegen euch? Was sind eure Erwartungen?

IVZ FragenhagelZusammen mit weiteren Mitschülern gestalteten Justin Merk, Max Börner und Jannes Winnemöller (v.l.) den Fragenhagel mit Ministerin Anja Karliczek. Die Lehrerinnen Kirsten Stampa (l.) und Claudia Fritsch begleiteten die Schüler bei der Vorbereitung.

Gut 130 Schüler aus den Jahrgängen 12 und 13 der Hüberts‘schen Schule durften coronabedingt am vergangenen Freitag dabei sein, als Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zum „Fragenhagel“ zu Gast war. Die Lehrerinnen Kirsten Stampa und Claudia Fritsch, die die Veranstaltung mitorganisierten, hätten aber locker noch mehr Stühle in der Aula aufstellen können, so viel Interesse gab es. Lilli von Melle, Claudia Overhoff, Justin Merk, Lena Schmidt, Lina Höltker, Dan Dumenko, Max Börner und Jannes Winnemöller nahmen mit der Ministerin auf der Bühne Platz und löcherten sie mit ihren Fragen.

Dabei nahmen vor allem die Klimapolitik und das Thema Bildung/Digitalisierung an Schulen den meisten Raum ein, berichtet Max Börner (20), der die Veranstaltung mit Jannes Winnemöller (17) moderierte. Das seien auch die Themen gewesen, die die Mitschüler am meisten bewegt hätten, sagt Jannes.

Jeder Schüler im Raum hatte selbst noch Fragen vorbereitet, natürlich kamen aber nicht alle zum Zuge. „Das meiste Interesse bestand beim Bafög“, zieht Jannes eine Bilanz. Aber geprägt durch die vergangenen Corona-Schulmonate spielte eben auch die Digitalisierung eine große Rolle.

Es sei überhaupt nicht schwer gefallen, Fragen an die Ministerin zu finden, sagt Claudia Overhoff (17). Weil sie selbst der Landwirtschaft verbunden ist, machte sie das zum Thema. „Man konnte sich da gut mit ihr austauschen“, fand sie im Nachhinein.

„Digitalpakt Schule, die Chancengleichheit in den Schulen und die Corona-Aufholprogramme“, sprachen Jannes und Max unter anderem an. „Wir wollten wissen, wie man unseren Bildungsstandort, unsere Schule verbessern kann“, sagt Max. Wobei die Hüberts‘sche Schule da schon privilegiert sei, findet Jannes. „Wir konnten unseren Stundenplan ja 1:1 digital durchziehen.“

Justin Merk (17) hätte gerne noch die Außenpolitik angesprochen, dafür war am Ende jedoch keine Zeit mehr. „Europas Rolle in der Welt“, beschreibt er sein Interesse an der Politik. „Wir hatten mehr Fragen, als wir stellen konnten“, sagt Max schmunzelnd. Die Veranstaltung sei von den Schülern für die ganze Schule gewesen, findet Claudia Overhoff.

Lilli von Melle hatte sich im Rahmen der Klimapolitik eine Frage zur Flutkatastrophe überlegt. Die Ministerin antwortete konkret und ausführlich. „Da musste man sich schon gut konzentrieren, um dabei zu bleiben.“ Aber auch E-Mobilität auf dem Land und bezahlbarer Wohnraum am Studienort spielten eine Rolle in der Diskussion. Wen sie am 26. September wählen, darüber müssen die Schüler auf der Bühne und im Publikum kaum nachdenken: Längst nicht alle sind volljährig. Sich auf einem Podium in der Schule damit auseinanderzusetzen, aber nicht wählen zu dürfen, darüber hatte sich Jannes vorher schon Gedanken gemacht. „Ich hätte schon gerne gewählt, aber ich kann damit leben“, sagt Justin. Allerdings hält er es für falsch, die nötige Reife für eine Bundestagswahl mit der Volljährigkeit zu verknüpfen. Viele unter 18 Jahren führten ja bereits ein erwachsenes Leben mit eigener Wohnung, eigenem Geld, aber wählen dürften sie nicht, merkt Lilli an.

Jannes findet, dass die Diskussion „keine Wahlkampfveranstaltung“ gewesen sei, sondern die Möglichkeit, durch kritisches Hinterfragen eine Perspektive zu gewinnen. Gerade die Corona-Zeit habe die Schüler für die Politik sensibilisiert, finden ihre Lehrerinnen.

Unterstützung erhielt die Schule bei dieser Veranstaltung vom Technikleistungskurs der BWS Lingen, der sich um den Ton kümmerte.

Quelle: IVZ Online, Linda Braunschweig vom 15.09.2021. URL: https://www2.ivz-aktuell.de/articles/140630/wir-hatten-mehr-fragen-als-wir-stellen-konnten?sort=1&locationIds=4 (Zugriff am 19.09.2021)

 

 

Zum Seitenanfang