Lehrer werden zu Lerncoaches: Die Corona-Pandemie hat den Lehrerberuf verändert, sagen fünf Pädagogen der Hüberts‘schen Schule in Hopsten. Und auch, wenn der Lernprozess anstrengend war, zurück in ihre Vor-Corona-Schule wollen sie nicht mehr.

IVZ Folgen der Corona Pandemie
Inzwischen sind sie alle geimpft und testen sich trotzdem noch regelmäßig - die Masken haben Schulleiter Alfons Ahlers (v.l.), und die Lehrer Katharina Diestel, Patryk Pakosch, Doris Bregen-Meiners und Anja Arens-Fischer dennoch nur fürs Foto abgenommen.

Klar, die Corona-Pandemie war auch für die Hüberts‘sche Schule in Hopsten eine riesige Herausforderung. Nach fast eineinhalb Jahren, die zunächst davon geprägt waren, schnell zu reagieren, worauf eine Phase des Ausprobierens folgte und danach schnell neue Standards entwickelt wurden, sind sich jedoch die meisten an der Schule einig: Sie wollen nach Corona auf keinen Fall wieder zurück in die Vor-Corona-Schule.

„Die Entscheidung, in der Digitalisierung weiterzugehen, stand schon vor Corona“, sagt Lehrerin Doris Bregen-Meiners. Allerdings seien viele Maßnahmen erst für 2022 geplant gewesen. Corona habe einiges beschleunigt. So hatten die Schüler an der Hüberts‘schen Schule schon im ersten Lockdown nach kurzer Zeit mindestens drei Videokonferenzen pro Tag. Immer freitags nach Unterrichtsschluss haben digitalaffine Lehrer in internen Mikroschulungen ihre nicht so technikbegeisterten Kollegen geschult. Das hat dazu geführt, dass an der Hüberts‘schen Schule im zweiten Lockdown der gesamte Stundenplan in Videokonferenzen vermittelt wurde. Zwischen durch gab es mal kurz Hybridunterricht mit einer halben Klasse zu Hause und der anderen Hälfte in der Schule. Das sei allerdings bei Lehrern wie Schülern nicht gut angekommen, erklärten jetzt fünf Lehrer beim Pressegespräch.

„Schön war, mal etwas anderes ausprobieren zu können“, sagt Lehrerin Anja Arens-Fischer. Zwar habe das Soziale schon ein wenig gelitten, doch alle hätten schnell gelernt, dass Gruppenarbeit auch online möglich sei. „Die Schüler haben die Möglichkeiten der Technik kennengelernt und ausgeschöpft“, erklärt Lehrer Patryk Pakosch. „Das eigenverantwortliche Arbeiten hat deutlich gewonnen“, ergänzt Schulleiter Alfons Ahlers. Lernrückstände sieht er bei seinen Schülern nicht – unabhängig von der Schulform. Die Abschluss- und Qualifizierungsklassen etwa hätten nach wochenlangem Distanzunterricht Klausuren in der Schule geschrieben, und das mit sehr guten Ergebnissen.

Für die Lehrer hatte der Distanzunterricht abgesehen von technischen Anfangsproblemen und gänzlich neuer Vorbereitung der Unterrichtsinhalte vor allem eine große Herausforderung: Sie mussten loslassen lernen. „Wir haben die Schüler viel eigenständiger Arbeiten lassen“, sagt Doris Bregen-Meiners. Statt frontal zu unterrichten, wechselte der Lehrer eher an die Seite des Schülers, war zwar präsent und ansprechbar, aber eben nicht vorne an der Tafel, sondern eher in der Position eines Lerncoaches. Wenn er sich etwa online in eine Gruppenarbeit schaltete.

Das Ganze sei ein Prozess gewesen, erinnert sich Doris Bregen-Meiners. Ein Prozess, innerhalb dessen die Lehrer gelernt haben, ihren Schülern mehr zu vertrauen, und die meisten Schüler, schnell gelernt hätten, mit ihrer neuen Freiheit umzugehen. „Einige sind in der Ruhe zu Hause deutlich besser geworden, weil sie für sich neue Lernstrategien entwickeln konnten“, hat Lehrerin Katharina Diestel beobachtet.

Wie sie auch nach Corona mehr auf individuelle Lernstrategien und individuelles Lerntempo eingehen können, darüber denken sie nun an der Hüberts‘schen Schule nach. Schulleiter Alfons Ahlers etwa sagt, er könne sich auch weiterhin gut digitale Phasen vorstellen. Da müssten sie dann mal schauen, inwieweit so etwas demnächst erlaubt sein werde Über die passenden einheitlichen Endgeräte dafür werden alle Hüberts‘schen Schüler spätestens ab dem Schuljahr 2022 verfügen. Seit dem vergangenen Jahr werden nämlich nur noch Tablet-Klassen eingeschult, und die Stufen acht bis zehn der Realschule ziehen auch sukzessive mit.

Zudem wünschen sich viele Lehrer an der Hüberts‘schen Schule künftig eine freiere Leistungsüberprüfung für ihre Schüler – weniger Klausuren, mehr Projektarbeit. Das selbstständige Arbeiten sei später in Studium und Beruf ein Vorteil. Ein ganz wichtig Aspekt sei in diesem Zusammenhang allerdings das Thema Kommunikation. „Dafür muss sich Schule wieder mehr Zeit nehmen“, sagt Doris Bregen-Meiners. Konflikte überhaupt anzunehmen und auszutragen, müssten viele erst lernen und dann auch noch üben, dabei sachlich und neutral zu bleiben. Auch das habe sich in der Gruppenarbeit gezeigt.

 

Quelle: IVZ Online, Anke Beiing, vom 18.06.2021 (URL: https://www2.ivz-aktuell.de/articles/125328/die-corona-pandemie-an-der-huebertsschen-schule, Zugriff am 22.06.2021)

 

 

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