Carla Fübbeker aus Laggenbeck ist eine von 15000 Bewerberinnen um ein Stipendium an der Universität Melbourne in Australien. Und sie ist eine von 50 Glücklichen, die tatsächlich eine volle Förderung über die dreijährige Ausbildung erhalten. Ab August wird Carla also Management in Down Under studieren. Dort ist sie aber schon seit etwa einem Jahr. In einem Gespräch mit Carina Tissen erzählt die 19-Jährige, was sie bisher dort gemacht hat und was ihre Pläne für die Zukunft sind.

2020 Carla Fuebbeker
Carla Fübbeker freut sich auf ihr Studium in Melboune. Das Foto entstand am Strand von Brighton.

Uns trennen acht Stunden Zeitunterschied. Wo genau steckst du gerade?

Carla Fübbeker: Momentan bin ich in Cairns, Queensland. Nachdem ich ein halbes Jahr als Au-pair in einer Gastfamilie in Melbourne war, bin ich auf Reisen gegangen, unter anderem nach Neuseeland. Zurück in Australien bin ich mit zwei Freundinnen ab Sydney die Ostküste mit dem Greyhoundbus entlang gereist. Da kann man ein- und aussteigen, wo man will. In Surfers Paradise angekommen, haben sich meine Freundinnen spontan dazu entschieden, wegen Corona heimzufliegen. Also reiste ich alleine weiter. Als ich in Airlie Beach ankam, traf auch mich Corona. Die Busse fuhren von heute auf morgen nicht mehr. Als sich die Situation etwas entspannte, reiste ich nach Cairns, komme aber aus dem Bundesstaat Queensland nicht mehr raus.

Am 12. Juni öffnen die Grenzen, und du kannst rechtzeitig zum Studienbeginn zurück nach Melbourne. Wie kam es überhaupt zu der Einschreibung?

Carla: Dank Corona. Das klingt zwar blöd, aber das Ganze hat mir was Gutes gebracht. Ich wollte mein Working-Holiday-Visum verlängern, weil ich gerne noch in Australien bleiben wollte. Dafür muss man 88 Tage auf einer Farm körperlich hart arbeiten, zum Beispiel Bananen pflücken. Wegen Corona gab es auf diesen Farmen aber ein Besuchsverbot. Ich habe mich in ganz Queensland beworben und keine einzige Rückmeldung bekommen. Die einzige Möglichkeit, die mir blieb, war ein Studium.

Stand ein Studium denn überhaupt mal auf deinem Plan?

Carla: Studieren wollte ich eigentlich schon immer. Ich habe 2019 mein Abitur an der Hüberts‘schen Schule in Hopsten gemacht. Ich fand es damals aber tierisch schwer, mich auf etwas Spezielles festzulegen. Die Zeit, die ich jetzt im Ausland hatte, war ein Selbstfindungstrip. Alleine leben und reisen hat mich verändert und ich bin dankbar für jede Erfahrung. Jetzt sehe ich einige Dinge klarer, und glaube, dass ich mit einem Managementstudium erstmal nicht so viel falsch machen kann, da es so universal einsetzbar ist. Vor allem habe ich das Glück, über das Stipendium gefördert zu werden.

Wer hat die Chance auf so ein Stipendium und was beinhaltet das?

Carla: Die Universität Melbourne ist die einzige Uni in Australien, die Stipendien vergibt, die die gesamten Studiengebühren von 140000 australischen Dollar abdecken. Und das auch nur an Spitzenschüler. Ich hab mein Abi zwar mit 1,0 bestanden, habe aber nie richtig geglaubt, dass ich eine echte Chance auf das Stipendium habe. Ein Studium in Australien wäre ohne aber gar nicht finanzierbar, also habe ich mich schon darauf eingestellt, dass ich bald nach Hause fliege. Aber eine Woche nach Bewerbung kam die Studienplatzzusage, noch mal drei Tage später die Zusage für das Stipendium. Mein ganzes Leben stand plötzlich kopf.

Das bedeutet für dich drei weitere Jahre in Australien. Was gefällt dir da so gut, dass du unbedingt bleiben willst?

Carla: Im Prinzip sind es drei Gründe. Zum einen das Klima. Ich hab lieber 40 Grad als zehn Grad und Regen wie in Deutschland. Zum anderen habe ich das Meer mit den wunderschönen Stränden direkt vor der Haustür. Da können Nord- und Ostsee nicht mithalten. Und nicht zuletzt hält mich die australische Mentalität. Hier wird gearbeitet, um zu leben und nicht andersrum. Jeder macht, was ihn glücklich macht. Das will ich nicht missen.

Gibt es denn wirklich gar nichts, was du an Deutschland vermisst?

Carla: Natürlich vermisse ich Familie und Freunde. Auch mein Hund fehlt mir – einfach das Zuhause-Gefühl. Und ich vermisse das deutsche Grillen. Schon solange ich hier bin, suche ich vergebens nach leckeren Grillwürstchen. Die gibt es wohl wirklich nur in Deutschland.

Seit einem Jahr ist Australien dein Zuhause und wird es nun für die nächsten drei Jahre bleiben. Glaubst du, du bleibst vielleicht sogar für immer?

Carla: Drei Jahre sind immerhin eine lange Zeit, in der ich mir ein Leben auf die Beine stellen werde. Und schon im vergangenen Jahr habe ich so viele Menschen, auch Australier, kennengelernt, die wie eine kleine Familie für mich geworden sind. Ich liebe es, im Nordosten Australiens zu sein, ich liebe das Meer und die Sonne. Ich will es also nicht ganz ausschließen.

Quelle: IVZ Online, Carina Tissen, vom 19.06.2020 (URL: https://www.ivz-aktuell.de/Lokales/7641140/Auf-einmal-stand-Carlas-Leben-kopf, Zugriff am 30.06.2020)

 

 

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