Die Chronik der Hüberts'schen Schule

Die Gründerjahre

Als Gründungsdatum der Hüberts´schen Schule (damals: Hüberts’sche Handelsschule) gilt das Jahr 1847. In diesem Jahr wurde der Philologe Jan (Johann) Hermann Hüberts aus Harderwyk (Holland) von dem Kaufmann Johann Heinrich Vaal, der in Rotterdam eine Handelsniederlassung besaß, nach Schapen geholt, um dessen Kindern während der Sommerferien Privatunterricht zu erteilen. Aber auch andere Kaufmannsfamilien, insbesondere aus Beesten, Freren, Hopsten und Recke wandten sich an den Handelslehrer mit der Bitte, ihren Kindern ebenfalls Unterricht zu erteilen und sie insbesondere in der Handelskunde auszubilden. Es zeigte sich, dass man in Jan Hüberts einen idealen Handelslehrer gefunden hatte. Neben den üblichen Schulfächern besaß er profunde Kenntnisse in den für Großkaufleute wichtigen Fremdsprachen, ja er galt geradezu als Sprachengenie, da er neben Deutsch und Holländisch auch Französisch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch fließend beherrschte.
Die Schülerzahl der Familienschule wurde immer größer. Wie vergleichende Untersuchungen ergaben, wurde mit dem Aufbau dieser Schule die erste und damit die älteste private Handelsschule ganz Europas ins Leben gerufen.Durch seine Heirat mit der Tochter eines der größten Hofbesitzer, Schröder, verfügte Hüberts nunmehr über ausreichende Mittel, um einen ca. 10 ha großen Kotten zu erwerben.
Zu den aus Töddenfamilien stammenden Schülern gesellten sich bald externe Schüler aus den umliegenden Orten und Söhne von angesehenen Geschäftsleuten aus dem nord- und westdeutschen Raum sowie aus ganz Europa und aus Übersee. Aus alten Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass im Jahre 1863 überwiegend Schüler aus Argentinien, Brasilien, Spanien, Portugal, Frankreich, England, Holland und Belgien diese Bildungseinrichtung besuchten; ja sogar ein Inder wird in der Chronik dieser Schule erwähnt. Diese Entwicklung der Schule erforderte schließlich die Einrichtung eines Internatsbetriebes bzw. eines Schulheimes.
So errichtete Hüberts um 1855 das Hauptgebäude als zweistöckigen Komplex nach dem Vorbild des damaligen englischen Landhausschulstils. Die Fenster haben die charakteristischen Rundbögen. Wenige Jahre später folgte der Neubau von Klassenräumen mit darüber gelegenem Schlafsaal. Ein Verbindungsgang in Holzkonstruktion, scherzhaft "D-Zug" genannt, führte vom Schlafsaal zur Hauskapelle im gegenüberliegenden Gebäude, in der die Schüler ein- bis zweimal wöchentlich am Schulgottesdienst teilnahmen. Dieser wurde vom jeweiligen Pfarrkaplan gehalten, der auch im Schulkomplex wohnte. Im erstgenannten Hauptgebäude befanden sich Klassenräume, von denen der größte später Silentiensaal wurde. In der oberen Etage befanden sich Wohnungen für die Lehrer. Die Mahlzeiten wurden im Speisesaal eingenommen. Dieser befand sich im Parterreteil des großen Wohngebäudes der Besitzer- und Direktorenfamilie.
Um 1900 baute man für den Direktor ein repräsentatives Wohnhaus, welches dem Hüberts´schen Hausgarten gegenüberliegt. Es wird seit Jahrzehnten "Villa" genannt. 1913 erhielt die Schule eine neue Turnhalle. Zudem erfolgte eine gründliche allgemeine Gebäuderenovierung.

Das Internatsleben

Während der Kaiserzeit erhielten die Schulabsolventen, die ihre Abschlussprüfung mit Erfolg bestanden hatten, die Berechtigung, als Einjährig-Freiwillige in der Armee zu dienen. Daher hieß es damals im Volksmund, wenn jemand die Prüfung zur Mittleren Reife abgelegt hatte, "er hat das Einjährige gemacht". Um 1905 wurde die Schule von über 100 Schülern besucht, von denen 87 im Internat untergebracht waren; hierzu wurde nach damaligem Sprachgebrauch auch gesagt: "Im Internat sind 87 Zöglinge platziert." 
Bis ca. 1925 hatte die Schule eine eigene Schüler-Blaskapelle sowie ein Trommler-Korps, welche auf diversen weltlichen und religiösen Festen spielten.
An Kaisers Geburtstag fand morgens eine Feierstunde in der Aula statt; anschließend war schulfrei. Abends gab es einen Fackelzug durch das Dorf, wobei vaterländische Lieder gesungen und Märsche gespielt wurden, die die Schüler im Musikunterricht des Lehrers Clemens Fritze einstudiert hatten.
An den Fronleichnamsprozessionen nahmen die Handelsschüler in einer geschlossenen Gruppe teil. Dabei wurde die Fahne der Schule mit den Farben Schwarz-Rosa vorangetragen. Viele Jahrzehnte lang bauten die Schüler der Handelsschule die Fronleichnamsdekoration auf dem Hof des Hotels Westhoff (jetzt Lüttmann) auf.
Neben den herkömmlichen Fächern kam im Unterricht die Kultur nicht zu kurz. So wurde auch das Theaterspiel an der Hüberts´schen Schule gepflegt. Musische Aktivitäten waren durchaus gefragt und geschätzt. Zudem gab es Dichterlesungen. So war z. B. der seinerzeit sehr geschätzte Dichter und Schriftsteller Hans Eschelbach 1919 dort zu Gast.
Der Schulsport wurde an der Hüberts´schen Schule stets gepflegt. In der bereits 1913 erbauten Turnhalle gehörten Turngeräte wie Reck, Barren, Pferd, Bock und Kasten schon vor dem 1. Weltkrieg zum selbstverständlichen Inventar. Im Sommer 1913 fand ein großes Turn- und Sportfest mit Schau- und Wettturnen sowie Dreikampf-Disziplinen statt. Im Waldgebiet (Forsten an der heutigen Schaler Straße), das sich in Hüberts'schem Besitz befand, legte man schon um 1920 zwei große Sportplätze an, auf denen Spiele aller Art, insbesondere Fußball, Faustball, Handball und Schlagball durchgeführt werden konnten. Auch die Leichtathletik wurde bereits früh gepflegt. Für Pferdeliebhaber hatte die Schule inmitten der Tannen und Kiefern eine Reitbahn angelegt. Da diese die Form einer Manege besaß, nannte man diesen Waldbezirk "Zirkus".
In ihrer Freizeit haben die Schüler u. a. im Waldgebiet Blockhütten errichtet, die bei sonntäglichen Spaziergängen bewundert werden konnten. In einem sehr heißen und trockenen Sommer des Jahres 1911 erlag ein Schüler in den Forsten einem Hitzschlag. Zur Erinnerung stellte man an der betreffenden Stelle einen Gedenkstein auf.
Bis etwa 1920 wurden die Prüfungen vor einem staatlichen Prüfungsausschuss in Osnabrück abgelegt. Dazu mussten die Examinanden mit der Kutsche von Schapen nach Beesten zur Bahn gebracht und von dort wieder abgeholt werden. Nach 1920 fanden die Prüfungen vor Ort in Schapen statt.

Der 1. und 2. Weltkrieg

Vor dem 1. Weltkrieg wurde der Hüberts´schen Schule als Realschule mit Handelsfächern das Recht verliehen, nach erfolgreicher Ablegung der Abschlussprüfung das sog. "Einjährige" zu bescheinigen. Im Jahre 1920 wurde das Schulsystem den allmählich entstehenden öffentlichen Wirtschaftsschulen angeglichen und in eine dreijährige Handelsschule, aufbauend auf dem 7. Jahrgang der Volksschule, mit der "Mittleren Reife" als Abschluss umgewandelt. Dieser Schultyp herrschte mit kleinen Abwandlungen bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges vor.
Das zu dieser Zeit herrschende politische System war den Privatschulen im allgemeinen und den konfessionell gebundenen im besonderen nicht gut gesonnen. Die Folge hiervon waren Umstände, die die Schließung des Schul- und Internatsbetriebes im Jahre 1940 unvermeidlich machten. Das Inventar und der größte Teil der Einrichtungen der Schule und des Schülerheimes wurden enteignet oder ohne jede Entschädigung verwohnt. Wehrmachtsverbände und - nach der Kapitulation - polnische Staatsangehörige mussten dort beherbergt werden.
Nach Kriegsende (1945) gelangten die Einrichtungen der Schulkapelle, die bis 1940 regelmäßig für Schulgottesdienste genutzt wurde, teils an das Elisabeth-Krankenhaus in Schapen, teils wurden sie von der Gemeinde Ostenwalde für deren geplanten Kirchenneubau übernommen

Die Nachkriegsjahre

Im Jahre 1947 gelang es, einen Teil der Schulgebäude frei zu bekommen und den Unterricht im kleinen Rahmen wieder aufzunehmen. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Schule - wie alle öffentlichen Handelsschulen in Niedersachsen - zweijährig mit staatlicher Abschlussprüfung (Mittlere Reife) geführt. Außer der staatlich anerkannten Zweijährigen Handelsschule wurde zudem eine Förderstufe als einjährige kaufmännische Ergänzungsklasse unterhalten. Aufgabe dieser Einrichtung war es, Schüler mit nicht ausreichender Vorbildung auf den Besuch der Zweijährigen Handelsschule vorzubereiten und innerhalb eines Jahres kaufmännische Grundkenntnisse zu vermitteln. Dies war vor allem für kleinere und mittlere Handelsbetriebe sowie für die Vorbereitung auf eine spätere Tätigkeit in der Landwirtschaft interessant.
Aus schulpolitischen Gründen erfolgte 1972 eine Verlegung des Schulbetriebes nach Hopsten. Dabei wurden die Klassen teils im Gebäude der ehemaligen Landwirtschaftsschule (Schulzentrum), teils in der alten Volksschule (Aa-Schule) an der Recker Straße untergebracht. Das Internat in Schapen wurde bis 1981 weitergeführt. Ein Bus-Pendelverkehr sorgte für die reibungslose Beförderung der Schüler. Nach 134 Jahren war damit die Geschichte der Hüberts´schen Handelsschule für Schapen leider zu Ende gegangen.
Die Gebäude der Handelsschule Schapen stehen heute unter Denkmalschutz. Lange Zeit erhoffte man eine neue Nutzung. Schließlich wurde das Anwesen im Januar 1996 vom Christopheruswerk Lingen mit allen Grundstücken und Gebäuden (außer der Villa Swoboda) aufgekauft und damit aus seinem langjährigen Tiefschlaf geholt. Das Christopheruswerk hat dort zwischenzeitlich ein Wohnheim für behinderte Menschen errichtet.

Die Hüberts´sche Schule bis Ende der 80er Jahre

Diplom-Handelslehrer Lothar Schumacher hat sich und seiner Schule bis weit ins Emsland hinein einen Namen gemacht. Dies gilt vor allem für die Zeit ab 1972, als er die alte Internatsschule von Schapen nach Hopsten verlegte und kurz darauf das Bildungsangebot der Hüberts´schen Handelsschule um den Zweig der Höheren Berufsfachschule für Wirtschaft (Fachhochschulreife) ergänzte.

Die 90er Jahre

Nach über 30jähriger Tätigkeit als Schulleiter trat Dipl.-Hdl. Lothar Schumacher zum Ende des Schuljahres 1990/1991 in den Ruhestand. Nach Genehmigung durch die Bezirksregierung Münster wurde Oberstudiendirektor Alfons Ahlers mit Beginn des Schuljahres 1991/1992 zum neuen Schulleiter ernannt.
Mit großer Unterstützung der Gemeinde Hopsten und der Hopstener Haupt- und Realschule war es der Hüberts'schen Schule im Jahre 1994 möglich, den Unterrichtsbetrieb komplett in das Hopstener Schulzentrum zu verlegen.
Unter der Leitung von A. Ahlers wurde zu Beginn des Schuljahres 1994/95 die gymnasiale Oberstufe mit wirtschaftsberuflichem Schwerpunkt eingerichtet. Die in Hopsten eingerichtete gymnasiale Oberstufe unterscheidet sich hinsichtlich Aufbau und Abschluss kaum von herkömmlichen Gymnasien - die Absolventen erwerben mit erfolgreicher Abschlussprüfung das Vollabitur, das zum Studium aller Studienfächer an allen Hochschulen in Deutschland berechtigt. Ein Unterschied ist allerdings hinsichtlich des Fächerangebotes gegeben. Neben allgemeinbildenden Fächern, wie z. B. Deutsch oder Religionslehre, gehören an der Hüberts'schen Schule wirtschaftsberufliche Fächer zu den Pflichtfächern. Damit werden die Schüler hier nicht nur einseitig auf ein Studium vorbereitet, durch die hohe Qualifizierung - sowohl im allgemeinbildenden als auch im berufsbildenden Bereich - haben die Absolventen sicherlich auch im Wettlauf um anspruchsvolle Ausbildungsplätze gegenüber Schülerinnen und Schülern, die an herkömmlichen Gymnasien ihr Abitur erlangt haben, enorme Vorteile.

Ab dem Jahr 2000

Im Jahr 2001 wurde mit dem fremdsprachlichen Schwerpunkt eine weitere Variante der gymnasialen Oberstufe eingerichtet. Schülerinnen und Schüler, die sich für diesen Bildungsgang der gymnasialen Oberstufe entscheiden, haben die Möglichkeit, neben der Allgemeinen Hochschulreife (Abitur) einen Berufsabschluss zum Fremdsprachenkorrespondenten zu erlangen.
Insbesondere durch die gymnasiale Oberstufe sind die Schülerzahlen kontinuierlich angestiegen. Deshalb war bereits im Jahr 1999 eine erste Erweiterung des Schulgebäudes erforderlich geworden. Im Jahr 2009 wird bereits der achte Bauabschnitt zur Erweiterung des Schulgebäudes der Hüberts'schen Schule fertiggestellt
Da die Gemeinde Hopsten der Hüberts’schen Schule im Kalenderjahr 2010 Mittel aus dem Konjukturpaket II zur Verfügung gestellt hat, war es in den Sommerferien möglich, die letzte Ausbaustufe eines schon seit einigen Jahren konsequent voran getriebenen Modernisierungsprozesses in der Klassenraumausstattung abzuschließen. Kern war dabei die Ablösung der klassischen Kreidetafel durch ein interaktives Tafelsystem, das neben allen klassischen Tafelfunktionen noch eine Menge mehr zu bieten hat.
Die ActivBoards stellen einen zentralen Baustein im Medienkonzept der Schule dar. Zusammen mit einem Beamer, einem PC und Aktivboxen ermöglichen sie die Einbindung medialer Inhalte nahezu jeder Form in den Unterricht. Die interaktive Tafel dient dabei im einfachsten Fall als zentrale Projektionsfläche für die Wiedergabe von Filmen, Internetseiten, Präsentationen und weiteren Dateitypen, bietet aber bei jeder dieser Anwendungen immer die Möglichkeit nicht nur zu präsentieren, sondern auch direkt über das Board zu steuern.
Zum Schuljahr 2011/12 wird an der Hüberts'schen Schule mit dem sog. "Sportabitur" eine weitere Variante der gymnasialen Oberstufe eingerichtet. Um den Schülerinnen und Schülern ein optimales Sportangebot zu bieten, hat die Hüberts'sche Schule seit Sommer 2010 die Möglichkeit Teile des Sportunterrichts in einem Fitnessstudio zu erteilen.  Die vereinbarte Kooperation mit Vitalis bildet eine hervorragende Grundlage für einen erfolgreichen Start des neuen Bildungsganges.
Mit Schreiben vom 16.01.2014 hat die Bezirksregierung Münster der Hüberts'schen Schule zum Schuljar 2014/15 die Genehmigung zur Errichtung einer Realschule erteilt.  Als private Angebotsschule bietet die Hüberts'sche durch die Erweiterung um den Realschulzweig
nun die Möglichkeit, den Realschulabschluss, die Fachhochschulreife und die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Somit können ab dem kommenden Schuljahr alle schulischen Bildungsabschlüsse in Hopsten erreicht werden.

Die Schule in ihrer heutigen Form erfreut sich einer großen Beliebtheit. Dies zeigt nicht zuletzt die Entwicklung der Schülerzahlen.